Was wir wollen !
Wir haben unseren Verein in der Erkenntnis gegründet, dass die öffentliche Diskussion über die brisanten gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit in viel zu engem Rahmen geführt wird.
Vorherrschend ist das kurzsichtige Nützlichkeitsdenken, während die Frage nach dem Wesen und der Bestimmung des Menschen ausgeklammert wird. Nicht zuletzt wird die große Bedeutung der Klassik, der kulturellen Blütezeiten der Vergangenheit, für die Zukunft unserer Gesellschaft unterschätzt. Solche Höhepunkte sind keineswegs nur von historischem Interesse, sie bieten uns vielmehr lebendige Vorbilder und Ausgangspunkte für kreative Neuentwicklungen, für dringend gebrauchte Lösungsansätze. Sie bieten auch unschätzbare Anregungen für eine lebendigere, ideenreichere Diskussionskultur, die wir in unserem Verein kultivieren wollen. Es besteht heute ein großes Bedürfnis nach einem zwanglosen und zweckfreien Gedankenaustausch, nach einem Dialog im sokratischen Sinne, um die geistig-kulturellen Grundlagen für die Gestaltung unserer Zukunft zu erörtern.
Ein anschauliches Bild dafür bietet uns das Berlin zwischen 1780 und 1830, als unsere Stadt ,,Spree-Athen“ genannt wurde. In den damaligen Salons entstand eine neue Bürgergesellschaft, die freimütig über Kunst und Philosophie, über Menschenwürde und die Selbstbestimmung des Individuums debattierte. Hieraus entwickelte sich nicht nur das humanistische Bildungswesen, sondern auch der beispiellose Aufstieg Berlins zur größten Industriemetropole Europas – eine kulturgeschichtliche Singularität. Sie wurde durch ein neues Verständnis, wie Geist und Natur, schöpferische Vernunft und Sinnlichkeit, Kunst und Technik auf höherer Ebene eine Einheit bilden können, ermöglicht. Bereits vor der klassischen Periode war diese Ideenwelt durch die Berliner Aufklärung um Personen wie Lessing und Moses Mendelssohn vorbereitet worden, bevor sie im geistigen Schaffen der Brüder Humboldt ihren Höhepunkt erreichte. Für den Sprachforscher Wilhelm von Humboldt war die Voraussetzung für das Fortschreiten der Menschheit als ganzer die möglichst große Vielfalt individueller Charaktere, die allerdings mithilfe des Sprachdenkens sich in den jeweils Anderen hineinfühlen können. Sein Bruder, der Naturforscher Alexander von Humboldt, beschrieb in seinem „Kosmos“ die antike „Einheit von Philosophie, Physik und Dichtung“, die es wiederherzustellen gelte. Aus diesem klassisch-humanistischen Geist entsprang die Idee, dass die industrielle und technische Entwicklung als Mittel zur „geistigen und sittlichen Veredlung des Menschen“ dienen könne.
Könnte ein Athen an der Spree nicht erneut Wirklichkeit werden? Wir wollen uns in der Tradition des damaligen Spree-Athen in offenherziger, geselliger Atmosphäre über das Verbindende von Kunst, Poesie, Philosophie, Wissenschaft und industrieller Technik in diesem neuen Jahrhundert austauschen. Wir denken, dass nicht nur Spezialisten, sondern alle Menschen zur Entstehung wichtiger neuer Erkenntnisse und Denkrichtungen beitragen können, wenn ein dafür günstiges kulturelles Klima entsteht, das die Menschen anregt, im heiteren und ernsten Spiel der Ideen mitzumachen.
Dabei haben wir folgende Schwerpunktthemen ausgewählt:
KUNST UND PHILOSOPHIE:
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Das Philosophieren über Kunst sowie der Gebrauch einer poetischen Sprache in der Philosophie waren Kennzeichen der so genannten klassischen Perioden. Was können wir heute aus den ästhetischen Diskussionen der „Berliner Klassik“ sowie aus dem philosophischen Ringen um die Einheit von freiem Individuum und gültigen, universellen Wahrheiten lernen? Diese Frage stellt sich nach dem Zeitalter des Totalitarismus und nach dem Ende post-moderner Beliebigkeit ganz aktuell, wenn wir weder in einen neuen Fundamentalismus verfallen noch in einem indifferenten Relativismus verharren wollen.
NATURWISSENSCHAFTEN:
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Die unübersehbare Fülle an Einzelerkenntnissen und hochspezialisierten Fachgebieten steht eine unterentwickelte Fähigkeit zur Synthese gegenüber. Kann man heute noch die Natur als Einheit betrachten, wie es Alexander von Humboldt in seinem ,,Kosmos” vormachte? Mit der zunehmenden Bedeutung der Wissenschaften des Lebens – der Biologie und Hirnforschung – richtet sich die naturwissenschaftliche Debatte immer mehr auf das Wesen des Menschen. Welche wichtigen Impulse kann dabei der Dialog mit Philosophen, Theologen und Künstlern geben?
DIE ZUKUNFT DER INDUSTRIEGESELLSCHAFT:
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Die Ideen der Berliner Klassik – wie z. B. das Motto „aus Kunst wird Industrie“ – prägten die frühe Phase der Industrialisierung in Preußen. Ist es nicht gerade angesichts der heutigen Herausforderungen wie der Energie- und Rohstoffknappheit, zunehmender Armut und einer sich vertiefenden sozialen Spaltung der Gesellschaft notwendig, ein Modell der Industriegesellschaft von morgen zu entwerfen, das statt Effizienz und Kostensenkung die Synthese von Wissenschaft, Kunst und Industrie neu hervorbringt ? Diese Frage stellt sich insbesondere angesichts des kommenden Zeitalters der bemannten Raumfahrt, das die Menschheit den Zusammenhang von Technik, Wirtschaft, Philosophie und Theologie neu zu betrachten lehrt.
AUSWEGE AUS DER BILDUNGSMISERE:
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Es wird viel über die äußere Struktur und wenig über Inhalt und Zweck der Bildung gesprochen. Ist das Humboldtsche Bildungsideal, das Erziehung als Charakterbildung definiert, nicht den Herausforderungen der heutigen Zeit viel eher gewachsen als das kurzfristige, an Kosten/Nutzen orientierte Fachwissen? Wenn ja, wie könnte es den heutigen Bedingungen angepasst werden?
DIALOG DER KULTUREN:
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Spree-Athen war der Kristallisationspunkt der Begegnung der verschiedensten Kulturen. Wir wollen den philosophisch-künstlerischen Diskurs nicht zuletzt mit dem Ziel führen, andere Kulturen in der Tiefe besser zu verstehen und so den weltweiten Dialog fördern und internationale Kontakte pflegen.